26.01.2019

Offline-Sein in den Bergen

Autorin - Viktoria Mall, seit Kindheit ein Freund & Teil der Arabella-Familie:

Offline-Sein und Berge - zwei Dinge die uns prinzipiell wahnsinnig gut tun. Wie ich erst  feststellen konnte, ist es genau die Kombi, die das Ganze etwas erleichtert. Denn es fällt mir ehrlichgesagt nicht immer leicht, mich aus der digitalen Vernetzung auszuloggen. Ich liebe es, im 21.Jahrhundert zu leben und bin ein absoluter Befürworter sämtlicher Technologien, die uns das Leben, in meinen Augen, um einiges erleichtern. Ich bin mir allerdings auch schmerzlich bewusst, dass mein Handy- und Netzkonsum bereits weit über ein gesundes Maß hinausgestiegen sind. Der durchschnittliche Deutsche schaut täglich über 30mal auf sein Handy[1]. Bei 8h Schlaf heißt das wir halten es im Schnitt kaum länger als eine halbe Stunde ohne Smartphone aus[2]. Ich nehme an, auch in Österreich fällt diese Bilanz nicht besser aus. Ich jedenfalls treibe den Schnitt, wenn, dann nur hoch. Sowohl für Freunde und Familie, wie auch Geschäftspartner versuche ich stets und ständig erreichbar zu sein und der Ton einer Benachrichtigung ist für mich wie ein Trigger, um sofort und unmittelbar zu reagieren. Seit Kurzem schalte ich mein Handy zumindest nachts in den Flugmodus. Jedes Mal ist es eine kleine Überwindung - eine Überwindung tatsächlich offline zu sein.

Doch auch für mich, als selbstdiagnostizierte Technik- und Handysüchtige, gibt es eine Ausnahme. Wenn ich am Berg bin, fällt es mir leicht, jede Verbindung zu kappen und einfach ganz und gar im "echten Leben" anzukommen. Vielleicht genau deshalb, weil sich das Leben hier so echt anfühlt. Außerhalb von quadratischen Büroräumen, draußen in der freien Natur, erleben wir wieder einmal alle Elemente: Der Wind der uns um die Ohren weht und unsere Silhouette nachformt, der Schnee, das Wasser das uns umgibt und der feste und natürliche Boden unter den Füßen (und vielleicht noch das Feuer der Leidenschaft, weil ich so sehr für die Bergwelt "brenne" um alle Elemente komplett zu haben ;) ). In den Bergen hab ich immer wieder das Gefühl ein wenig aus der aktuellen Momentaufnahme raus zu zoomen. Und endlich realisiere ich, dass ich trotz engstirnigem Fokus auf den aktuell anstehenden Aufgaben und Problemen, nur ein winzig kleiner Teil des großen Ganzen bin. Sollte ein Problem mal nicht meisterbar sein, eine Aufgabe nicht erledigt werden können, ein Anruf nicht unmittelbar entgegengenommen werden, dann wird sich der Wind noch genau gleich drehen und die Berge werden noch genauso felsenfest bestehen bleiben. Die   ungelesenen Mails, die Benachrichtigungen zur aktuellen Facebook-Kampagne und auch die 54. WhatsApp Nachricht im Gruppenchat verlieren oben, in der Realität der Berge, an Bedeutung.

Auch die Suche nach ständiger Stimulation bleibt hier oben aus. Die fortlaufenden Benachrichtigungen und Updates machen es zur Gewohnheit unentwegt angeregt zu werden. So sehr ich auch davon genervt bin, ist es doch genau das, was mir offline abgeht. Kennt nicht jeder von uns das enttäuschte Gefühl, wenn absolut keine neue Nachricht oder Benachrichtigung auf unserem Smartphone aufscheint? Aber oben in den Bergen bin ich unterhalten ganz ohne Nachrichtentöne oder Vibrationsalarme. Zum einen bin ich in den Bergen meist in Bewegung und wenn ich mal innehalte, dann gelingt es mir doch, anders als im Alltag, den Moment einfach zu genießen.

Was zuletzt noch bleibt, ist dieses große Gefühl der Ehrfurcht, wenn man inmitten von beeindruckenden und einfach wunderschönen Berglandschaften steht. Gegenüber diesen großen Steinmassiven, die doch schon viel länger bestehen als ich es je werde, kommt es mir beinahe respektlos vor, den Moment zu verschwenden, indem ich in den fiktiven Welten der Digitalisierung herumschwirre. Die Welt dreht sich nun mal eben nicht nur um das anstehende Projekt oder die kleinen 1.Welt-Problemchen, an denen man gerne mal zu verzweifeln scheint.

Vielleicht gelingt es mir in Zukunft ja öfters, die Ehrfurcht und Realität, die ich in den Bergen erlebe, mit in den Alltag ins Tal mitzunehmen. Ich werde auf jeden Fall versuchen, öfter offline zu sein und solange das noch nicht so einfach gelingt, bin ich wohl demnächst öfter auf höher gelegenen Ebenen anzutreffen. ;)

 

Quelle für die Studie: 

Lotzin, M. (26. Februar 2018). testroom. Abgerufen am 08. Januar 2019 von https://www.testroom.de/magazin/technik-news/das-smartphone-ist-immer-und-ueberall-studie-zur-handynutzung/


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