30.10.2018

Digital Detox, oder wieder einfach Zeit für das Wesentliche

Autorin - Sofia Willhauk, langjähriger Arabella-Stammgast, Generation Y:

Am liebsten immer unterwegs. Das dachte ich jedenfalls. Immer am Arbeiten, immer unter Menschen, laut lachend auf jeder Party, immer auf Abruf. Nicht unbedingt mit den engsten Freunden oder der Familie, aber dafür umso mehr auf allen so unglaublich wichtigen Events.

Wenn ich dann doch mal zu Hause war, oder mal nicht ein Termin direkt an den nächsten knüpfte, hing ich meist an meinem Handy, schickte sinnlose SMS und Voice-Notes, bearbeitete Fotos und vergeudete meine kostbare Zeit in „Sozialen Netzwerken“. Denn das ist es was man macht, wenn man das wertvollste Gut nämlich die endliche Zeit auf diesem Planeten einem Gerät zuwendet.   

Ich spreche nicht davon, mit einem wichtigen Menschen zu telefonieren, sich auf den neusten Stand zu bringen oder einen Treffpunkt auszumachen. Sind wir mal ehrlich, wie wenig Zeit, die wir tagtäglich an unserem Smartphone verbringen geht tatsächlich auf diese Aktivitäten zurück? Ich spreche von der Zeit, die wir ohne nachzudenken hergeben, ohne, dass sie uns etwas zurückgibt. Ohne, dass wir in dieser Zeit Sport machen, etwas Großartiges kochen, uns weiterbilden, nachdenken, jemandem helfen oder einfach ein Buch lesen. In der Tat war das der erste Auslöser, welcher mich auf „Project offline“ brachte:

 Ich hatte monatelang kein Buch mehr in der Hand. Beziehungsweise, in der Hand gehalten schon, aber in der anderen war dann doch das Smartphone, und so kam ich selten weiter voran, als nur wenige Seiten. Vor meinem Auslandssemester in Südafrika hatte ich dann kurzerhand recht spontan beschlossen, mein Telefon zu Hause in Deutschland zu lassen. Meine Familie und Freunde konnten mich via Skype über meinen Laptop oder auch durch meine Freundinnen erreichen, und so flog ich im Juli 2017 ohne I-Phone, Whatsapp & Co. in ein mir bis dato völlig fremdes Land.

„Wie du lässt dein Handy zu Hause? Hast du keine Angst, den Anschluss zu verpassen? Was ist das denn für eine Schnapsidee?“ – Es war die wirklich beste Idee, die ich bisher hatte. Denn ohne dauernd erreichbar zu sein, hatte ich plötzlich wieder den Mut, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, Inspiration zu finden, an Gesprächen ohne Unterbrechung und mit vollster Konzentration dabei zu sein, die Zeit, sprichwörtlich zu vergessen.

Menschen gehen heutzutage in den Urlaub und sind mehr mit ihrem Telefon beschäftigt und damit die perfekte Instagram-Story zu schießen, anstatt mit ihren eigenen Augen, die wundervolle Landschaft aufzusaugen und in ihrem Herzen festzuhalten. Wir gönnen uns bewusst Auszeiten und konfrontieren uns trotzdem mit Stress, der uns durch belanglose Neuigkeiten erreicht und unseren Tag, unsere Laune beeinflusst, egal auf welchem Kontinent wir uns derzeit wiederfinden. Mich konnte niemand einfach so erreichen. Ich musste es wollen, ich musste bewusst online gehen, und war’s nicht andauernd.

Die Erkenntnisse dieser Zeit sind kaum in wenige Worte zu fassen, aber ich lernte mich in dieser Zeit besser kennen und lieben, als je zu vor in meinem Leben. Ich lernte mehr im Jetzt zu sein, das Hier wertzuschätzen und traf wundervolle Menschen, auch ohne mit ihnen über Kurznachrichten oder Soziale Medien zu verkehren.

Wir geraten in Panik, wenn unser Akku leer ist das Telefon im Auto liegt oder in der Wohnung vergessen haben und begreifen nicht, dass die Welt davon nicht untergehen wird. Wir laden unsere Telefone meistens am Nachtkästchen, sodass unsere ersten Gedanken, mit denen wir schlafen gehen und aufwachen, nicht die unseren sind, sondern bereits mit Reizen zu tun haben, welche uns von der virtuellen Welt vermittelt werden.

 Ich möchte hier definitiv nicht alles schwarzmalen. Digitalisierung und die schnelle Kommunikation, die unsere heutigen zwischenmenschlichen Beziehungen maßgeblich prägt, öffnet uns auch viele Türen, und erlaubt uns mit Menschen in Kontakt zu bleiben, auch wenn diese an einem anderen Ort leben, erlaubt uns stets vernetzt zu bleiben, egal wohin unsere Reise uns auch führen mag. Soziale Netzwerke sind wunderbare Mediatoren um seine Liebsten am eigenen Leben teilhaben zu lassen, um Kindern in Entwicklungsländern Zugang zu Schulmatereal zu ermöglichen oder einen wichtigen Gedanken mit der Welt zu teilen.

 Aber um diese Gedanken erst einmal zu denken, um in sich hineinzuhören, müssen wir uns Kommunikationspausen und offline Momente in das Leben einbauen, indem permanente Erreichbarkeit scheinbar einer notwendigen Bedingung gleicht. Wir müssen Erlebtes reflektieren können, Inspiration wahrnehmen und das Hier und Jetzt wieder bewusster erleben. Wir müssen uns nicht nur wertvollen Gesprächen und dem gemeinsamen Essen ohne Ablenkung widmen, sondern vor allem auch uns selbst, wenn wir denn die seltene, kostbare Möglichkeit haben, alleine zu sein.

Sofia Willhauk, nach ihrer Zeit in Südafrika

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